Alle Stühle stehen im Kreis. Ich rutsche auf der Sitzfläche meines Stuhles hin und her. Und der eine, der vor dem leeren Stuhl steht, sieht umher, er dreht den Kopf, als suche er jemanden. Gleich wird er zwinkern, dass heisst, er wird entweder ein Auge oder beide Augen einmal kurz schliessen und wieder öffnen, dann muss man, wenn man der “Angezwinkerte” ist, versuchen, auf den Stuhl des Zwinkernden wechseln. Da ist der erste dran. Er entkommt. Dann ist ein anderer dran. Sein Gesicht dreht sich in meine Richtung. Er zwinkert. Bin ich gemeint? Kein anderer reagiert. Als ich versuche, aufzustehen, halten mich zwei Hände energisch fest.
Fünf Jahre später.
Ich stehe hinter einem Stuhl, auf dem jemand sitzt. Dasselbe Spiel, dieselben Regeln. Ich halte die Luft an. Der Zwinkerer bewegt seinen Kopf hin und her, ich folge ihm, ohne zu wissen, wen er eigentlich anschaut. Ich fühle mich unwohl, ich mag dieses Spiel nicht, weil ich darin nicht gut bin. Mir wird warm, ich strenge mich an, den Augen des Zwinkerers zu folgen. Plötzlich bleibt sein Gesicht in meiner Nähe stehen. Da! Die Augen gehen einmal zu und wieder auf. Noch bevor ich erfasst habe, dass die Person auf meinem Stuhl gemeint ist und ich reagieren kann, greifen meine Hände ins Leere. Die Person sitzt jetzt auf dem Stuhl des Zwinkerers. Ich habe es nicht geschafft. “Reaktion wie eine Oma” höre ich aus einem Mund und ich breche in Tränen aus. “Ja, deswegen werde ich nie meinen Führerschein machen.” Es bricht aus mir heraus. Dann die Klingel. Es ist vorbei. “Du bist doch ein intelligentes Mädchen”, sagt die Lehrerin. “Du solltest deinen Führerschein doch schaffen”. Ich kann vieles und vieles kann ich nicht. Und Tage und Situationen wie diese machen mich traurig.